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aus PhotoPresse, 08.02.1996

Angelika Behnk, Ruth E. Westerwelle - Die Frauen von Orwo

13 Geschichtenaus dem Alltag, 208 Seiten, 40 Abbildungen, Format 18 x 22 cm, Klappenbroschur, Gustav Kiepenheuer Verlag, Leipzig, ISBN 3-378-01004-5, DM 39,90.

 

Angelika Behnk, Sozialwissenschaftlerin, und Ruth E. Westerwelle, Fotografin und Journalistin, zeigen in dieser Dokumentation die Geschichte der 1909 gegründeten Filmfabrik Wolfen (zunächst Agfa, später Orwo), der Geburtsstätte des deutschen Farbfilms, und die der Frauen, die dort gearbeitet haben. Die "Film" war unser Leben, sagen die Frauen. Ihr Anteil von über 8000 (bei einer Beschäftigtenzahl von 15000 bis vor der Wende) war bei Orwo, einst Vorzeigekombinat der DDR, überdurchschnittlich hoch. 1989 begann für die Filmfabrik das letzte Kapitel ihrer Existenz: Zunächst interessierte Investoren sprangen ab, ein Stück jahrzehntelanger Industrie- und Frauen-Kulturgeschichte fand sein Ende. Geblieben ist mehr oder weniger ein kleiner Betriebsteil für die Konfektionierung fremder Filme mit ca. 100 Beschäftigten. Die Autorinnen haben ehemals bei Orwo beschäftigte Mitarbeiterinnen - u.a. auch eine der drei Generaldirektorinnen - nach den Veränderungen befragt, die der Verlust des Arbeitsplatzes, damit der sozialen Kontakte und der Organisation von Kinderbetreuung und Sozial- wie Gesundheitsversorgung mit sich gebracht haben. 13 Geschichten aus dem Alltag sind entstanden, die nicht repräsentativ im wissenschaftliche, aber doch im historisch-subjektivem Sinne sind: Jede Frau, ob als "abgewickelte Entsorgerin" oder "Jungunternehmerin", steht als Zeitzeugin mit ihrer je eigenen Erfahrung und kraft ihrer Auseinandersetzung für ein Stück Lebens- und Alltagskultur im vereinten Deutschland. Die älteren von  ihnen haben noch die Agfa-Zeit in Wolfen (bis 1963) erlebt. Die von Ruth E. Westerwelle gemachten Fotos zeigen die Frauen in ihren Leben- und Arbeitssituationen und nehmen einen eigenständigen Teil der Dokumentation ein. Das Buchprojekt wurde mit einem Stipendium des Senats für Arbeit und Frauen Berlin im Rahmen der Frauenforschung gefördert. Die Autorinnen - beide "Wessis"  - haben sich sehr engagiert und einfühlsam mit der Befindlichkeit der souveränen, selbstbewussten Frauen von Orwo befaßt. Angelika Behnk studierte Sozialwissenschaften an der Universität Bremen. Sie hat seit 1989 Lehraufträge an der Bremer und Bielefelder Universität inne. Ruth E. Westerwelle erhielt Preise bei zahlreichen Ausstellungs-Wettbewerben. Sie stellte u.a. in Berlin, Oslo, Barcelona, Bilbao, Palermo aus. Ihre Veröffentlichungen: "Frauen in Berlin", "FrauenStadtBuch". Auch zum Buch "Die Frauen von ORWO" ist eine Dokumentations-Ausstellung arrangiert worden.